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Bilder der laufenden Grabungen Teil I
DIE FORSCHUNGSSITUATION AUF DEM MAGDEBURGER DOMPLATZ
Unter dem heutigen Dom

Nach den Grabungen der letzten Jahrzehnte im Bereich des Domplatzes ist es mittlerweile so, dass wir von der Kirche unter dem Domplatz (Nordkirche) mehr wissen als von der Kirche unter dem spätromanisch-gotischen Dom (Südkirche). Grundlage unseres Wissens zur Südkirche sind bisher die Grabungen von Alfred Koch aus dem Jahr 1926 und diejenigen von Gerhard Leopold aus den Jahren 1959–1965. Ergänzt um die teilweise schlecht dokumentierten Ergebnisse weiterer Grabungen und Baumaßnahmen aus dem späten 19. und frühen
20. Jahrhundert wurde ein Bild entwickelt, dass unter dem heutigen Dom die Existenz von zwei Kirchen, einer Ostkrypta und einer Westkrypta rekonstruierte. Dabei wurde davon ausgegangen, dass sich sowohl die Moritzklosterkirche von 937 als auch der ab 955 zu erwartende ottonische Dom hier befinden.

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Plan nach Schubert und Leopold, 2001. Nachgewiesene (a) und ergänzte (b) Grundrisse.

Deutlich wird auf diesem Plan –unabhängig von allen Fragen der Befundansprache– auf wie wenig Baubefunden eine Rekonstruktion der Verhältnisse unter dem heutigen Dom angesichts der geringen Ausgrabungsflächen beruhen muss.

Der einzige größere, zusammenhängende Baubefund ist die Ostkrypta mit Ihrem bedeutenden Fußbodenmosaik, ausgegraben 1926 von Koch. Zu den Steinen dieses Fußbodenmosaiks fanden sich exakte Vergleichsstücke bei der Domplatzgrabung 2001–2003. Somit muss von zwei dicht benachbarten, parallel orientierten und mit antiken Spolien ausgestatteten Kirchen ausgegangen werden. Beide Bauten dieser Doppelkirchenanlage profitierten offenbar vom Antikentransport aus Italien durch Otto den Großen um das Jahr 962.

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Ein Quadrat aus Cipollino-Marmor und ein Dreieck aus Broccatellone-Marmor, gefunden 2001–2003 am Domplatz, eingelegt in das Fußbodenmosaik in der Ostkrypta.

Somit stellt sich auch die Frage nach der Datierung der Krypta neu. Stammt sie tatsächlich erst aus der Mitte des 11. Jahrhunderts und wurde von Erzbischof Hunfried im Jahr 1049 geweiht? Wahrscheinlicher scheint derzeit eine Verbindung mit der Krypta, die Erzbischof Tagino am 22. Februar 1008 weihte oder mit der ursprünglichen Krypta aus der Zeit Ottos des Großen.

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Ostkrypta, 1926 ausgegraben.
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